Robert Kauffeld, Bericht im Mindener Tageblatt
Porta-Sandstein,
die Höhlen
und der steinerne Mann
Wer sich nicht genau auskennt, wird überrascht sein: Die Felsen am Jakobsberg in
Hausberge sind überwiegend nicht Porta-Sandstein, und das trifft auch auf die
große Felswand in der Freilichtbühne in Barkhausen zu. Doch das
Kaiser-Wilhelm-Denkmal wurde aus diesem eindrucksvollen grau-braunem Sandstein
erbaut – aus Steinen, die man ganz in der Nähe abbauen kon
nte.
„Porta-Sandstein,
das ist nicht dieser langweilige graue Sandstein", so Dr. Angela Ehling von der
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Be
rlin
in ihrem Vortrag im September 2006 im Dobergmuseum in Bünde. Neben einem
ähnlichen Stein in der Fränkischen Alb sei dieser mittel- bis grobkörnige
Quarzsandstein, der nicht selten eine intensive braune, zuweilen auch rötliche
Farbe zeige, nur zwischen Lübbecke und dem Bereich südlich Nammen zu finden. In
der Nähe der Porta habe die Schicht eine Mächtigkeit von höchstens 20 Metern,
nach beiden Seiten immer weniger, zuletzt nur noch einen Meter stark.

Durch die nach Norden abfallenden Schichten ist der Porta-Sandstein im Wiehengebirge nur an der Südseite unterhalb des Kammes zu sehen. Das ist etwa auf der Höhe des Denkmal-Vorplatzes. Wenn man von dort Richtung Westen geht, wo früher der sehr bekannte Wanderweg „Wolfsschlucht" zur Wittekindsburg führte, erreicht man nach etwa 600 Metern eine Höhle mit zwei Öffnungen.


Hier wurde Porta-Sandstein abgebaut.
Deutliche Spuren handwerklicher Tätigkeiten sind zu erkennen, wie Schrotspuren,
also schräge Linien, mit dem Meißel geschlagen, auch Linien ähnlich einem
Fischgrätmuster, dann viereckige Vertiefungen, die wohl einmal Balken trugen.
Einige Hundert Meter weiter wurde offenbar ein oberirdischer Steinbruch
betrieben, dann kommt ein kleiner freier Platz, „Leonhardis Ruh", und daneben –
man muss genau hinsehen –ist eine Skul
ptur
in den Stein gemeißelt. Stark verwittert, etwa 75 cm groß, zeigt sie den
Oberkörper eines Menschen mit verschränkten Armen und gespreizten Händen über
dem Bauch. Die Figur fand man um 1912. Man vermutet, dass sie etwa im 12 oder 13
Jahrhundert entstanden sein könnte. Also ist auch zu vermuten, dass damals schon
Sandstein in dieser Gegend abgebaut wurde.
Frau Dr. Ehling stellte in ihrem Vortrag anschaulich dar, wie der mittelalterliche Abbau von Steinen betrieben wurde. Beim Schroten wurden spitznutförmige Kerbe in den Stein geschlagen. Dann trieb man Keile in die Vertiefungen. Oder man bohrte Löcher, in die man Holz trieb. Das Holz wurde gewässert, bis es aufquoll und den Stein auseinander sprengte. Spuren dieser handwerklichen Tätigkeiten sind auch noch nach Jahrhunderten an den Felsen zu erkennen. Für den Abtransport waren besonders stabile Wagen gebaut worden, vor die man manchmal bis zu 18 Pferde spannte. Der Transport vom Wiehengebirge war natürlich besonders beschwerlich. Der Steinbruchbetrieb W. Mölle aus Häverstädt hat 1871 eine 1,2 km lange Seilbahn vom Kamm des Wiehengebirges bis zur Weser bei Dehme gebaut. Reste der Fundamente sind noch heute an der B 61 zu sehen.
Die Schiffe auf der Weser waren ein ideales Transportmittel für die schweren Steine. Kein Wunder, dass sich die zahlreichen mit Porta-Sandstein errichteten Bauten fast ausschließlich nördlich des Abbaugebietes befinden. Und das sind, von Frau Dr. Ehling durch Fotos eindrucksvoll dargestellt, so schöne Bauten wie der Mindener Dom, das Rathaus, der Treppenaufgang zur St. Marienkirche, die Alte Münze, aber auch die Lübbecker Andreaskirche, die Kirchen in Oberlübbe, Lerbeck und Obernbeck, dann das Schloss in Petershagen und zahlreiche Windmühlen. Selbst in Berlin, Hamburg und Lübeck, in Bremen bis nördlich Bremerhavens sind Gebäude aus Porta-Sandstein zu sehen. Mal sind es unbearbeitete Bruchsteine, mal „formatierte", also zu Quadern oder anderen Formen behauene Steine, die immer wieder eine eindrucksvolle Oberfläche bilden.
„Porta-Sandstein, das ist der wohl schönste Sandstein", davon ist Dr. Angela Ehling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe überzeugt. Über diesen Stein, der nur in unserer Heimat abgebaut wurde, lohnt es sich, mehr zu erfahren. Eine sachkundige Führung dürfte zahlreiche Interessenten finden.
© Mindener Tageblatt 2006